h.264 - Das neue MP3 der Videowelt?
Dienstag, 27. November 2007
Wie viele unserer treuen Kunden vielleicht schon aus der Fachpresse mitbekommen haben, wurde MAGIXs Codec-Lieferant MainConcept jüngst von DivX gekauft. Da wundert man sich auf den ersten Blick vielleicht. Schließlich haben DivX ihren eigenen Codec. Was also wollen die Amerikaner von der deutschen Entwicklungsschmiede? h.264 heißt das Stichwort und erweckt die Begehrlichkeiten. Gerade in diesem Bereich sind die Aachener Tüftler führend. Überhaupt hört man in letzter Zeit immer häufiger von h.264. Doch was hat es damit eigentlich auf sich? In den nachfolgenden Zeilen gebe ich einmal einen hoffentlich leicht verständlichen Einblick.


Hinter der kryptischen Bezeichnung versteckt sich der zur Zeit wohl effektivste Logarithmus Algorithmus, um Videodateien zu komprimieren. h.264 basiert auf dem MPEG-4-Standard, daher auch die (eher selten verwendeten) Namen „MPEG-4 Part 10“ oder „MPEG-4/AVC (Advanced Video Coding)“. Die Entwickler planen großes mit der bereits 2003 erstmals veröffentlichten Kompressionstechnik: Ein Codec für alle Anwendungen. h.264 deckt bei hochwertiger Bildqualität das gesamte Spektrum vom videotauglichen Mobiltelefon bis zu studioreifen HD-Aufnahmen ab. Sollte er sich wirklich als De-facto-Standard etablieren, wären zum Beispiel in der Videobearbeitung lästige und vor allem zeitintensive Formatumwandlungen Schnee von gestern. So schön diese Perspektive auch klingt, es liegt wohl in der Natur der Sache, dass es einen noch leistungsfähigeren Codec geben wird, ehe sich h.264 wirklich in allen Bereichen durchsetzen kann.
Eine HD-MPEG-2-Datei mit 1920x1080-Bildformat benötigt normalerweise zwischen 12 und 20 Mbps, h.264 braucht für die gleiche Auflösung bei gleicher oder teilweise sogar besserer Bildqualität nur zwischen 7 und 8 Mbps. Als Faustregel kann man also sagen, dass h.264 ohne Qualitätseinbußen mit halber MPEG-2-Datenrate auskommt. Normalformatige h.264-Videos können auf Grund der geringen Datenrate auf nahezu allen mobilen Geräten und durchschnittlichen PCs abgespielt werden. Nur bei HD-Material geht mit h.264 der schnellste Einzel-Prozessor-PC in die Knie. Hier ist zwangsläufig mindestens ein Dual-Prozessor mit größtmöglicher Taktrate erforderlich. Das gleiche gilt übrigens auch für den Videoschnitt. h.264-Material wie AVCHD verlangt soviel Rechenleistung, dass eine so flüssige Bearbeitungsgeschwindigkeit wie z.B. mit DV vorerst nahezu unmöglich scheint.
Auch wenn der h.264 zur Ablösung bereit steht, bleibt MPEG-2 ein Thema. Der Erfolg in den letzten Jahren hat die DVD derart in deutschen Wohnzimmer etabliert, dass es noch Jahre dauern wird, bis MPEG-2 zumindest in diesem Format vollständig abgedankt hat. Und auch dann wird es noch Verwendungszwecke auf niedrigerem Niveau geben. Selbst der Vorläufer MPEG-1 erfreut sich trotz miserabler Qualität auch heutzutage von der VCD bis zur digitalen Fotokamera noch relativ großer Beliebtheit. Das liegt jedoch nicht zuletzt auch daran, dass auf MPEG-1 keine Lizenzgebühren mehr abzuführen sind.
Gerade die enorme Einsatzfähigkeit könnte der neuen h.264-Technologie kräftigen Aufschwung verleihen. Einen vergleichbaren Codec, der Telekommunikation, Unterhaltungselektronik und die professionelle Broadcast-Industrie zu gemeinsamen oder zumindest untereinander kompatiblen Produkten bewegen kann, hat es bisher noch nicht gegeben. h.264 besitzt die besten Chancen, in Bezug auf Popularität zum MP3-Format der Videowelt zu lancieren.




