Google ggn. Facebook oder Socializing der Social Networks?

Donnerstag, 1. November 2007

Unter der Überschrift „Google attackiert Facebook“ verkündet heute das Handelsblatt eine „Allianz“ von verschiedenen Unternehmen, die unter dem Namen „Open Social“ gemeinsame APIs für soziale Netzwerke entwerfen wollen. Über die Schnittstellen sollen Daten wie die Profile der Nutzer, deren Kontakte und Informationen über Aktivitäten auf der Plattform besser ausgetauscht werden.

Mit von der Partie sind neben Google unter anderem das Portal „friendster“, der SaaS-Anbieter salesforce.com, SAP-Konkurrent Oracle und die deutsche Xing AG.

Bislang hatte Facebook als einziges soziales Netzwerk seine Schnittstellen für Drittanwendungen offen gelegt und sich so ein Alleinstellungsmerkmal verschafft. In der Folgezeit entwickelte die Community über 5000 Anwendungen, die allein auf Facebook eingebunden werden konnten.

Laut Marc Andreessen, dessen Unternehmen Ning ebenfalls Teil der Open Social-Allianz ist, fällt oft weniger als ein Prozent der Entwicklungsarbeit auf die Schnittstellenanbindung. Anwendungen die für Facebook konzipiert wurden, können also nun mit relativ geringem Entwicklungsaufwand über die Open-Social-APIs bei allen teilnehmenden sozialen Netzwerken eingebunden werden. Zukünftig werden die Anwendungen dann von vorneherein für beide Schnittstellen ausgelegt sein.

Wer glaubt, dass Google mit seiner Allianz lediglich dieses Alleinstellungsmerkmal von Facebook minimieren will, greift meiner Meinung nach jedoch zu kurz.

Das soziale Netzwerk von Mark Zuckerberg wächst zur Zeit derartig schnell (Anfang der Keynote), dass mittlerweile allein die Größe der Community der wichtigste Alleinstellungsfaktor ist. Wer derzeit im angelsächsischen Raum alten Freunde sucht, findet sie bei Facebook. Ob die zusätzlichen Anwendungen, die es dort gibt, exklusiv sind oder nicht, dürfte kaum noch eine Rolle spielen. Darüber hinaus kann FaceBook den Open Social Standard ja jederzeit übernehmen.

Durch diese Allianz gewinnt also niemand einen Vorsprung gegenüber Facebook. Es bietet sich höchstens die Gelegenheit einen Rückstand schnellstmöglich wieder aufzuholen.

Wie Robert Basic , fragt man sich also, worum es Google bei dieser Kooperation aber dann im Kern geht?

Joe Kraus, Google Direktor für das Produktmanagement erklärt das laut Handelsblatt so: Ein Großteil der Nutzer des Internet ignoriere bislang soziale Netzwerke. Hier liege also noch ein erhebliches Wachstumspotential, insbesondere da die Zahl der Internetnutzer ständig steige. Je mehr Anwendungen den Nutzern von sozialen Netzwerken zur Verfügung stünden, um so mehr Zeit würden die Nutzer im Internet verbringen. Das bedeute aber wiederum mehr Reichwerte für die Werbekunden und somit für Google bessere Möglichkeiten, Werbeeinnahmen zu generieren.

Soweit also die offizielle Aussage von Google.

Vielleicht attackiert Google aber Facebook tatsächlich, nur an ganz anderer Stelle als es das Handelsblatt vermutet?

Wie Erick Schonfeld auf TechCrunch am Dienstag berichtete, plane Facebook derzeit einen Dienst der sich SocialAds nennen und der ähnlich wie Google's Adsense Werbung vermarkten soll. Der kleine aber feine Unterschied ist jedoch, dass die Werbung auf das soziale Profil des Nutzers bei Facebook zugeschnitten werde. Über Cookies, die beim Besuch von Facebook auf den Rechnern der Nutzer platziert würden, könnten diese später auf anderen Seiten identifiziert und über SocialAds passgenau mit Werbung gefüttert werden.

Eine überzeugende Idee wie ich finde. Und es wäre meines Erachtens kein Wunder, wenn Google alles versuchen würde, diese heranwachsende Konkurrenz in die Ecke zu drängen. Schließlich geht es um die Haupteinnahmequellen des Konzerns. Einheitliche Schnittstellen für Soziale Netzwerke könnten es Google erleichtern, die Communities zu durchsuchen und Werbung damit ebenfalls effektiver zu platzieren.

Was auch immer am Ende der Grund für die Kooperation dieser Allianz gewesen ist. Sie bringt eine Menge Vorteile mit sich: Den Entwicklern verhilft sie zu einem wesentlich größeren Nutzerkreis. Der Austausch zwischen den sozialen Netzwerken wird leichter, was den Nutzern wiederum ein größeres Dienstleistungsangebot verschafft. Ich gehe davon aus, dass unsere Produkte myGOYA und mufin ebenfalls von dieser Entwicklung profitieren werden.

Einheitliche offene Standards haben die Entwicklung des Computerzeitalters bislang immer beschleunigt. Das wird auch dieses Mal wieder der Fall sein.



Videos und Werbung: Google will YouTube zur Cash-Cow machen

Mittwoch, 10. Oktober 2007

Einen innovativen Internetdienst zu akquirieren ist die eine Sache. In gewinnbringend einzusetzen eine andere. Das musste jüngst erst Ebay schmerzlich erfahren. Wie das Online-Auktionshaus letzte Woche meldete, fährt es mit dem kostenlosen Telefondienst Skype bei immensen Kosten kaum nennenswerte Umsätze ein. Jetzt soll es ein neuer Geschäftsführer richten,der den Skype-Mitbegründer Niklas Zennstrom ersetzt.

Auch Google möchte endlich anfangen, die 1,8 Milliarden Dollar Kaufpreis für YouTube zu refinanzieren. Deshalb wird Google Adsense nun um Filme des meistgenutzten Videoportals erweitert.

Ein Film über eine Radtour könnte so bspw. mit Werbung für eine bestimmte Fahrradmarke versehen werden. Ein Betreiber einer Internetseite über Radtouren meldet sich bei Adsense an, über die Erkennung von Schlüsselworten wird ihm das Video zugeteilt. Klickt der Nutzer auf das Video verdienen der Ersteller des Films, der Betreiber der Internetseite und natürlich Google.

Der Markt für Videos als Werbeträger steckt noch in den Kinderschuhen, aber das Potenzial erscheint enorm. Die meist lustigen Beiträge auf YouTube sind geeignet, den Nutzer in eine positive Stimmung zu bringen. Sie könnte entsprechend auf das beworbene Produkt abfärben.

Doch gerade die emotionalen Reaktionen auf die Videos könnten kurzfristig das größte Hindernis für ihre Kommerzialisierung werden. Denn die Zuweisung von Anzeige und Video ist automatisiert und erfolgt allein anhand von Tags.

Der werbende Kunde hat also keinen Einfluss darauf, mit welchem Film seine Produkte in Verbindung gebracht werden, sondern ist auf die treffende Beschreibung durch den Urheber angewiesen. Gerade bei einem so starken Medium wie bewegten Bildern ist es aber für den Auftraggeber enorm wichtig, kontrollieren zu können, dass die Bilder der Werbebotschaft nicht zuwider laufen. Dabei können die geringsten Kleinigkeiten eine Rolle spielen, die sich durch das Tagging gar nicht erfassen lassen.

Gleiches gilt für die Betreiber größerer Internetseiten. Auch sie werden sich damit schwer tun, auf ihrer Seite Filme anzubieten, deren Inhalt sie nicht kontrollieren können.

Nach Aussage des Handelsblatts wird Goolge deshalb zunächst nur die Filme von etwa 100 ausgesuchten Kooperationspartnern mit Werbung versehen. Damit läuft aber das Momentum des Internetportals ins Leere, derzeit Anlaufpunkt für alles und jeden zu sein, der ein Video ins Netz stellen will. Geeignete Kooperationspartner hätte man sicherlich auch ohne den Erwerb von YouTube finden können.

Bis sich die Akquisition als echte Cash-Cow erweisen wird, dürfte also noch einige Zeit ins Land gehen. Ich bin gespannt darauf, wie Google diese Herausforderung meistern wird. Denn ich bin mir ziemlich sicher, dass der Branchenprimus in Sachen Online-Werbung auch hierfür eine passende Lösung entwickeln wird.

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