Vergangenheitsbewältigung

Montag, 4. Februar 2008

Kürzlich habe ich mal wieder meine alten Videokassetten durchforstet, um zu sehen, was ich baldmöglichst in die digitale Welt retten sollte. Einige Aufnahmen von Mitte der Neunziger sind schon reichlich angegriffen, weil sie einfach falsch gelagert wurden. Mea culpa. Es wäre aber schade, wenn diese Videodokumente für immer verloren gingen, schließlich habe ich damals einen Großteil meiner Zeit darin investiert. Eigentlich viel zu viel Zeit, wenn ich überlege, dass ich mit Video deluxe heute vielleicht nur einen Bruchteil davon bräuchte, um dann sogar noch zu einem besseren Ergebnis zu kommen.

Ich bin noch durch die alte Schule gegangen: Kassette mit Timecode formatieren, dann in den Rekorder und mit Misch- und Schnittpult die Videoschnipsel vom Zuspieler rüberkopieren. Aufwändig und qualitätsraubend. Der Ton benötigte ein weiteres Mischpult und Titeleinblendungen oder Untertitel waren nur durch einen Amiga möglich, der als Gen-Lock fungierte. Teilweise mussten wir zu dritt am Schnittplatz sitzen: einer bereitete den Schnitt vor, einer musste sich um die Live-Tonabmischung während des Schnitts kümmern und einer die Untertitel auf dem Computer weiterklicken. Jeder Schnitt war ein Alptraum, weil ich in Echtzeit mit ansehen musste, wie die Bildqualität mit jeder Überspielung schlechter wurde. Außerdem musste der Schnittpunkt wahrlich gut überlegt sein. Zwar hatte das Pult eine Vorschaufunktion, aber war der Schnitt einmal gesetzt, gab es kein Zurück. Destruktives Videoediting! Richtig ärgerlich wurde es, wenn die Vorschau nicht dem Schnitt auf dem Masterband entsprach. Das JVC-Steuergerät erlaubte es sich hin und wieder gerne mal, es mit den In- und Out-Punkten nicht ganz so genau zu nehmen.

1996, zwei Jahre bevor ich mit digitalem Videoschnitt in Berührung kam, wurde der Schnittplatz noch um ein (damals) sehr leistungsfähiges Gerät erweitert: das Panasonic WJ-AV 55. Ein Videomischer für knapp 2000 DM mit sensationellen Fähigkeiten: Chroma-Keying und Farbkorrektur. Wahnsinn! Und nicht nur das: Endlich konnte ich mit den Wischblenden auch den 16:9-Letterbox-Effekt erzeugen, mit dem Videos auf 4:3-Fernsehern bis heute gleich viel cooler aussehen. Ich war im siebten Schnitthimmel und so habe ich zusammen mit meinem besten Freund und dem ganzen analogen Equipment das Musikvideo „Push“ zusammengeschustert. Fast eine Woche waren wir am schneiden und verzweifeln. Unzählige Male mussten wir von vorne beginnen, weil wir oder das Schnittpult das Masterband zerschossen hatte - gerade wegen der vielen Schnitte, die so ein Musikclip mit sich bringt. Von der Farbkorrektur und dem Chroma-Keying haben wir selbstverständlich exzessiv Gebrauch gemacht - war ja schließlich neu für uns. Die Band „Gravity‘s Pull“ hat sich übrigens kurz nach dem Dreh aufgelöst. Angeblich lag es aber nicht am Video...



Take That - Konzertbericht

Montag, 5. November 2007

Gute acht Monate habe ich gewartet. Acht Monate in denen meine Take That Karte wertlos an der Pinnwand ausharren musste.  Am 09.03 diesen Jahres war nämlich Vorverkaufsbeginn, für die Take That Beautiful World Europa Tour . An diesem Tag war ich in der Schule und musste mich von einer Klassenkameradin darauf aufmerksam machen lassen, dass  Take That  im November nach 13 Jahren wieder nach Berlin kommt und heute der Vorverkauf beginnt.

Die Bedenkzeit  betrug geschätzte 2 Sekunden und schon hatte ich  mein Handy am Ohr, um bei Eventim 2 Konzertkarten á 67€ zu bestellen. Das konnte ich mir einfach nicht entgehen lassen. Ich bin vielleicht noch 3-4 Jahre zu jung als, dass ich von mir behaupten könnte, ich wäre ein Fan der ersten Stunde etc. Aber allein "Back for good" und "Never forget" waren mir 67€ wert. Schließlich waren die 90er meine Jugend.

So kam es also zum gestrigen Abend, der mir ein unvergessliches Konzert bescheren sollten. An der Halle angekommen stieß ich auf eine riesige Schlange, die vor dem Berliner Velodrom ,geballt wie eine Horde Pinguine die sich gegenseitig wärmen, stand und um Einlass bettelte.

Um 18:30 war es dann endlich soweit. Einen langen Gang entlag, vorbei an unzähligen Decken und Schlafsäcken der echten Hardcore-Fans, ging es in die Halle. Kleiner Tipp von mir: Jacken etc. im Auto lassen, so kann man locker 2 Stunden warten einsparen und ist schön weit vorne an der Bühne ;-)

Nach 2 nüchternen, über die Hallen-Lautsprecher vorgetragenen, Hinweisnachrichen, dass Howard, der übrigens später als Krankenschwester verkleidet die Bühne betrat, beim heutigen Konzert aufgrund einer Lungenverletzung fehlt, ging es dann endlich los. Der Support  Act "Jamie Scott and the Town" betrat die Bühne. Ich hatte von dem Herren vorher nichts gehört, doch weiß seit gestern, dass dieser etwas undeutlich sprechende Engländer ;-), musikalisch sowie stimmlich auf hohem Niveau performt und sich bei mir in das Gedächtnis gesungen hat. Ziel erreicht!

Die nächsten 20min Wartezeit verkürzte sich das Publikum mit unzähligen "Laola-Wellen" und ungeduldigem Geschrei. Doch dann war es endlich soweit, die Show begann. Das 8 Monate Warten wurde endlich belohnt.



Take That lieferte von Beginn bis zum Ende des 1h 30min langen Konzert eine musikalisch sowie technische hochprofessionelle und atemberaubenden Show ab. Das sage ich nicht, um mir persönlich die 67€ Ausgaben zu rechtfertigen, sondern weil es so war und im das Konzert im Vergleich zu anderen irgendwelcher Übersee-Künstler, einfach um Klassen besser war. Dies lag nicht zuletzt auch daran, dass man den, leider nur 3, jungen Herren anmerkte, dass sie Spass und Freude an der Sache hatten. Das Glitzern in den Augen, beim Anblick voller Konzerthallen, scheint die Jungs wohl immernoch zu überkommen. Diese Freude und Energie spürt natürlich auch das Publikum.

Die Playlist des Konzertes war clever gewählt, natürlich wusste man, dass viele Konzertbesucher nur wegen den alten Hits in die Konzerthallen kommen würden. So schaffte man es in einem guten Mix, das neue Album gut in ein Arrangement aus Klassikern zu integrieren und somit jeden Besucher zu bedienen.

Playlist: 1. Reach Out /// 2. It only takes a minute /// 3. Beautiful World /// 4. Patience /// 5. Hold on /// 6.I'd wait for life /// 7. Relight my fire /// 8.Rule the World /// 9. Could it by magix ;-) /// 10. Back for good /// 11. Everything changes /// 12. Give good feeling /// 13. Wooden Boat /// 14. Sure /// 15. Never Forget /// 16. Shine /// 17. Pray

Gut wurde auch die Situation, dass ein Teil des Publikums weit hinten auf Rängen sitze (stand ;-)) gelöst. Bei "Rule the World" wurde ein riesiger Laufsteg von der Decke geseilt, der die Jungs auf eine runde Plattform in die Mitte der Halle wandern und 33% des Konzerts performen lies. Somit kamen auch die weiter hinten stehenden Fans auf ihre Kosten. besonders lustig war mit anzusehen, dass die vorher "so harten und krassen" Jungen, die ihre Freundinnen mit auf das Konzert begleiteten, spätestens bei "Relight my Fire" mehr abgingen als die Freundinnen selber :-)

Kleiner Konzertmitschnitt  in 2 Teilen:





Dass ich mir bei "Back for good" und "Never Forget" gefühlte 10 Lungen aus dem Hals gesungen habe soll nur am Rande erwähnt sein. Insgesamt ein toller Abend in den ich ohne Erwartungen gegangen bin und mich nochmal davon überzeugt hat, das Take That allein von der musikalischen Qualität her, nicht mit irgendwelchen Standard-Pop-Boygroups zu vergleichen ist. Ich höre übrigens eigentlich andere Musik, aber Take That musste sein :-D

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