Wer ist eigentlich Brian McBride?

Wunderbarer Kinderspaß? Schlichtes Marketing? Oder nur nostaligisch teurer Gefühlsdussel einiger gealterter Jungs und Mädchen? Unnütz Schönes zum Fußball - Teil I. Das Panini-Sammelalbum
Irgendwo in den von schlechten Meldungen derzeit nicht verschonten USA sitzt vielleicht gerade jetzt ein sehr trauriges Kind. Als eines der wenigen in seinem Land interessiert es sich brennend für die Mannschaften, die Regeln und die Traditionen des Fußballs. Das macht es aber nicht traurig, denn möglicherweise kann es sich sogar einer Leidenschaft widmen, der sich global sowohl Gleichaltrige als auch vermeintlich Erwachsene zumindest während großer Turniere gerne hingeben: dem Panini-Sammelalbum.
Dieses Kind ist traurig, weil es weder Andriy Shevchenko aussprechen kann noch wirklich weiß, wer das eigentlich ist. Und jetzt kommt schon zum fünften mal dieser Miroslav Klose aus einer Packung zum Vorschein, von dem es nur weiß, dass er eine unmodische Frisur besitzt und aus dem Gastgeberland der letzten WM kommt. Gleichzeitig bin auch ich traurig. Die WM ist vorbei, neue Packungen müssen mühseliger organisiert werden und schon wieder habe ich keinen deutschen Stürmer bekommen. Neben Shevchenko fehlt mir auch noch eine ganze Reihe anderer begehrter Spielerbilder. Nur Brian McBride habe ich jetzt schon zum sechsten mal aus einer Panini-Packung gefischt und so wie ich mich danach sehne, endlich meine persönlichen Favoriten einzukleben, so macht es bestimmt irgendwo ein amerikanisches Kind traurig, wieder nicht Brian McBride bekommen zu haben.
McBride, der auch schon in Deutschland für den VfL Wolfsburg spielte, wurde im Jahr 2005 immerhin in die beste Elf der amerikanischen Fußballliga aller Zeiten gewählt. Trotzdem kann ich mich nicht für McBride begeistern und es interessiert mich eigentlich wenig, wer er ist. Auch dem amerikanischen Kind ist der Werdegang von Miro Klose wahrscheinlich herzlich egal – ob als WM-Torschützen-König oder nicht: Werder Bremen ist nun mal nicht Barcelona oder Manchester. Was diese – zugegeben – konstruierte Darstellung suggeriert, wird vom Hersteller entschieden verneint. Mit einem raffinierten Misch-System soll vermieden werden, Sticker doppelt in die Tüten zu stecken. Überall sollen die gleichen Chancen auf Erfolg bei der Suche nach den liebsten Bildern herrschen. Reiner Zufall also, dass ich mit meinen Bildern von McBride die Vorderseite meines Kühlschranks zukleben kann, während irgendwo anders auf der Welt dementsprechend ein Überfluss an Klose, Podolski und Asamoah herrschen muss.
Neben Deutschland sind es vor allem Italien und Mexiko, in denen die Einklebebilder besonders populär sind – weltweit wurden allein bei der vorletzten WM in Japan und Korea 30 Millionen Tüten verkauft. Falls also jemand in diesen Ländern verzweifelt nach Oswaldo Sanchez (Mexico) oder nach Fabio Grosso (Italien) suchen sollte, hab ich auch – jeweils drei mal. Natürlich könnte ich erfolgreich meine mexikanischen Bilder gegen beispielsweise deutsche Spieler über das Internet tauschen. Diese moderne Möglichkeit des Austausches lindert die Verzweiflung ein wenig, ist aber im Vergleich zur Geschichte der Sammelbilder eine junge Lösung. Von den Panini-Bildern wurden in den vergangenen 40 Jahren über 20 Milliarden Fußball-Sticker produziert.
Das Phänomen der Sammel-Leidenschaft, das mich in diesem Sommer nach Abschluss der Kindheit das erste mal wieder erwischt hat, kann also nur schwierig als rein modernes Marketing-Instrument abgetan werden, welches bereits die Jüngsten zu Fußball-Konsumenten erziehen soll. Und gerade wenn Verwandte den Kleinen lieber die bunten Bilder mitnehmen, als ihnen Süßigkeiten zu kaufen, scheint sich die gesellschaftliche Ächtung gegenüber den durchaus teuren Bilder-Packungen auch in Grenzen zu halten.
Aber vielleicht liegt ja genau in diesem irrationalen Sammel-Bedürfnis, das eigentlich zu teuer ist, gleichzeitig durchaus breiter akzeptiert und trotzdem die eigentliche Fußball-Leidenschaft ja nur temporär flankiert, sein Reiz. Es ist ja auch eine eher emotionale Annahme meinerseits, davon auszugehen, dass es in den doch sehr fußballignoranten USA Kinder gibt, die Sammelalben besitzen und sich mit gleicher Leidenschaft wie ihre europäischen Altersgenossen auf Jagd nach Klebe-Bildern machen. Ob es Sammelalbum und Bilder überhaupt an Kiosken, Tankstellen, Shopping-Mals in Amerika zu kaufen gibt? Wenn ja, dann weiß ich endlich, wo all meine Lieblingsbilder zu finden sind. Wenn nicht, dann ist der Grund wahrscheinlich, dass Fußball wirklich niemanden hinter dem Atlantik interessiert und deswegen mein Kühlschrank mit einem der erfolgreichsten US-Fußballer aller Zeiten zugeklebt ist ...
Dieses Kind ist traurig, weil es weder Andriy Shevchenko aussprechen kann noch wirklich weiß, wer das eigentlich ist. Und jetzt kommt schon zum fünften mal dieser Miroslav Klose aus einer Packung zum Vorschein, von dem es nur weiß, dass er eine unmodische Frisur besitzt und aus dem Gastgeberland der letzten WM kommt. Gleichzeitig bin auch ich traurig. Die WM ist vorbei, neue Packungen müssen mühseliger organisiert werden und schon wieder habe ich keinen deutschen Stürmer bekommen. Neben Shevchenko fehlt mir auch noch eine ganze Reihe anderer begehrter Spielerbilder. Nur Brian McBride habe ich jetzt schon zum sechsten mal aus einer Panini-Packung gefischt und so wie ich mich danach sehne, endlich meine persönlichen Favoriten einzukleben, so macht es bestimmt irgendwo ein amerikanisches Kind traurig, wieder nicht Brian McBride bekommen zu haben.
McBride, der auch schon in Deutschland für den VfL Wolfsburg spielte, wurde im Jahr 2005 immerhin in die beste Elf der amerikanischen Fußballliga aller Zeiten gewählt. Trotzdem kann ich mich nicht für McBride begeistern und es interessiert mich eigentlich wenig, wer er ist. Auch dem amerikanischen Kind ist der Werdegang von Miro Klose wahrscheinlich herzlich egal – ob als WM-Torschützen-König oder nicht: Werder Bremen ist nun mal nicht Barcelona oder Manchester. Was diese – zugegeben – konstruierte Darstellung suggeriert, wird vom Hersteller entschieden verneint. Mit einem raffinierten Misch-System soll vermieden werden, Sticker doppelt in die Tüten zu stecken. Überall sollen die gleichen Chancen auf Erfolg bei der Suche nach den liebsten Bildern herrschen. Reiner Zufall also, dass ich mit meinen Bildern von McBride die Vorderseite meines Kühlschranks zukleben kann, während irgendwo anders auf der Welt dementsprechend ein Überfluss an Klose, Podolski und Asamoah herrschen muss.
Neben Deutschland sind es vor allem Italien und Mexiko, in denen die Einklebebilder besonders populär sind – weltweit wurden allein bei der vorletzten WM in Japan und Korea 30 Millionen Tüten verkauft. Falls also jemand in diesen Ländern verzweifelt nach Oswaldo Sanchez (Mexico) oder nach Fabio Grosso (Italien) suchen sollte, hab ich auch – jeweils drei mal. Natürlich könnte ich erfolgreich meine mexikanischen Bilder gegen beispielsweise deutsche Spieler über das Internet tauschen. Diese moderne Möglichkeit des Austausches lindert die Verzweiflung ein wenig, ist aber im Vergleich zur Geschichte der Sammelbilder eine junge Lösung. Von den Panini-Bildern wurden in den vergangenen 40 Jahren über 20 Milliarden Fußball-Sticker produziert.
Das Phänomen der Sammel-Leidenschaft, das mich in diesem Sommer nach Abschluss der Kindheit das erste mal wieder erwischt hat, kann also nur schwierig als rein modernes Marketing-Instrument abgetan werden, welches bereits die Jüngsten zu Fußball-Konsumenten erziehen soll. Und gerade wenn Verwandte den Kleinen lieber die bunten Bilder mitnehmen, als ihnen Süßigkeiten zu kaufen, scheint sich die gesellschaftliche Ächtung gegenüber den durchaus teuren Bilder-Packungen auch in Grenzen zu halten.
Aber vielleicht liegt ja genau in diesem irrationalen Sammel-Bedürfnis, das eigentlich zu teuer ist, gleichzeitig durchaus breiter akzeptiert und trotzdem die eigentliche Fußball-Leidenschaft ja nur temporär flankiert, sein Reiz. Es ist ja auch eine eher emotionale Annahme meinerseits, davon auszugehen, dass es in den doch sehr fußballignoranten USA Kinder gibt, die Sammelalben besitzen und sich mit gleicher Leidenschaft wie ihre europäischen Altersgenossen auf Jagd nach Klebe-Bildern machen. Ob es Sammelalbum und Bilder überhaupt an Kiosken, Tankstellen, Shopping-Mals in Amerika zu kaufen gibt? Wenn ja, dann weiß ich endlich, wo all meine Lieblingsbilder zu finden sind. Wenn nicht, dann ist der Grund wahrscheinlich, dass Fußball wirklich niemanden hinter dem Atlantik interessiert und deswegen mein Kühlschrank mit einem der erfolgreichsten US-Fußballer aller Zeiten zugeklebt ist ...




