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Der Ball bleibt rund

Olympiastadion vor Finale (Bild: Baptiste Grange)


Nach dem Ende einer Fußballweltmeisterschaft kommt unweigerlich die Frage nach den Lehren des Turniers. Doch eine Nachbetrachtung der WM 2006 fällt schwer: eine Überraschungsmannschaft hat es eigentlich nicht gegeben, trotz des allgemeinen Trends hin zum attraktiven Spiel war mal wieder die Defensive für das erfolgreiche Abschneiden entscheidend und auch eine uneingeschränkte Huldigung des wirklich herausragenden Spielers ist nicht möglich.

Es ist kein Geheimnis, dass bei Weltmeisterschaften nicht der beste Fußball geboten werden kann. Groß aufspielende Vereinsmannschaften haben nicht allein die finanziellen Ressourcen, sich weltweit die besten Spieler für jede einzelne Position in ihrem Spielsystem zu suchen. Ihre Trainer besitzen im Normalfall auch die Zeit, eine Gruppe von Individualisten zu einem fein auf einander abgestimmtem Kollektiv zu formen. Nationalmannschaften sind dagegen ein zusammengewürfelter Haufen erfolgreicher Individualisten gleicher Nationalität, die innerhalb einer immer knapper bemessenen Vorbereitungszeit meistens nur das große Ziel eint.

So kann es kaum verwundern, dass die Anzahl attraktiver Spiele meist eher gering ist – nur um Missverständnissen vorzubeugen: Spannend können 90 bzw. 120 Minuten auch sein, ohne dabei spielerisch zu verzücken! Doch hat eine Weltmeisterschaft auch die Ambition, globale Schaubühne für das Leistungsvermögen ihrer Protagonisten zu sein und an diesem Anspruch muss sich das Turnier messen lassen. Die Hoffnung auf ein spielerisches Spektakel – und zwar nicht nur zeitweise von einer Mannschaft zelebriert, sondern über beinahe die ganze Partie von beiden Teams gezeigt – konnte nur in der Partie Elfenbeinküste gegen Argentinien erfüllt werden.

Sowieso war es Schade, die Mannschaft der Elfenbeinküste in der „Todesgruppe“ zusammen mit Argentinien und den Niederlanden früh scheitern zu sehen. Obwohl sie die üblichen Schwächen afrikanischer Teams wie die fatale Abhängigkeit von der Form eines einzigen Stars und der Mangel an einem international erfahrenen Torwart offenbarten, zeigten sie doch ein herzerfrischendes, taktisch ausgereiftes Spiel nach vorn, das von einer ganzen Reihe sehr talentierter Spieler getragen wurde. Die Ivorer hätten sicherlich die Vorrunde in den meisten anderen Gruppen erfolgreicher gestalten können und hätte manch schwächelnden Favoriten, der weniger abgeklärt als Holland spielte, in arge Nöte gebracht. Und so halten viele Kommentatoren diese junge Mannschaft nicht nur für fähig, bei der nächsten WM in Südafrika mehr als nur die Vorrunde zu bestehen, sondern sehen in ihr auch die erfolglose Überraschung eines Turniers, das aus fußballerischer Sicht ansonsten kaum Anlass zur Verwunderung bot.

Nur der eigentliche Star der WM, Zinedine Zidane, setze die Welt nicht allein mit seinem großen Spiel, sondern vor allem mit seinem Auftritt im Finale in Erstaunen. Inwieweit dem Provokateur, Marco Materazzi, oder den schwachen Nerven Zidanes die Hauptschuld an diesem letztlich unverdienten finalen Akt einer unvergleichlichen internationalen Karriere anzulasten ist, wird auch kaum von einem Sport-Gericht befriedigend entschieden werden können. Die Episode zeigt aber deutlich, wie sehr bei allen sportlichen Schwierigkeiten bei der Umsetzung einer erfolgreichen WM die Erwartungen und der Druck eines ganzen Landes an den Nerven auch eines derart erfahrenen Nationalspielers nagen können.

Und so ist natürlich diese Weltmeisterschaft eine Reflexion des derzeitig ebenfalls in den Vereinen gespielten Fußballs und hieraus müssen sich auch die Lehren der WM 2006 ableiten lassen: mutiges, attraktives Spiel besteht nur in Ausnahmefällen gegen kompakte Abwehrleistung, trotz mitreißender Spielweise braucht der afrikanische Fußball noch Zeit, um abgeklärter zu spielen und der Fußball-Gott Zidane ist letztlich doch nur ein Mensch, dessen Karriere am Ende nicht am unmenschlichen Druck und seinen Folgen bewertet werden sollte. Fußball kann wunderbar einfach sein – bis er uns in vier Jahren vielleicht kurzzeitig wieder vom Gegenteil überzeugen möchte.
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