Schnäppchen-Kauf auf dem Auto-Basar

Wer möchte nicht auch beim Autokauf ein richtiges Schnäppchen machen und nutzt dafür das Internet zur schnellen Recherche? So unterlag ich der Versuchung eines super günstigen Online-Angebots für einen Golf in Castrop Rauxel. Die Schönheit deutscher Autobahnen kennt man ohnehin zu wenig und so störte mich auch die 500 km Fahrt mit einem Mietwagen von München in den Ruhrpott nicht besonders.

Ich muss sagen, die ausgedehnte Anreise für die Probefahrt hatte sich wirklich gelohnt. Als der Händler, der noch am Telefon sagte er sei ein Privatmann, den Wagen aus der Garage zog, musste ich etwas schmunzeln. Laut Tacho hatte der Wagen gerade mal 60.000 km Laufleistung, dabei sah ein Blinder mit dem Krückstock was mit der Karre los war. Die Optik eine Katastrophe, der Fotograph, der die Bilder für das Autoportal erstellte, war ein wirklicher Meister seines Faches. Grobe Lackschäden, zerrissener Inenraum, usw. radebrechende Begründungen warum der Wagen doch ein paar Duzend Vorbesitzer hatte und nicht wie am Telefon behauptet, ein Arzt 11 Jahre mit dem Ding fuhr. Das Scheckheft war leider auch plötzlich verschwunden und die einzigen Wartungsrechnungen waren mehrfach kaputte Schlössern und eine defekte Alarmanlage. Aus Neugierde gönnte ich mir dann doch eine Probefahrt und als Aufpasser saß ein Bulldoge (Ähnlichkeit mit Mr. T vom A-Team) mit Glatze und Jogginganzug neben mir. Es war mittlerweile schon etwas dämmerig, doch der Typ fand das Tragen seiner fiesen Sonnenbrille als zwingend notwendig.

Gut, also mit dem Abklatsch aus dem Zuhältermilieu auf dem Beifahrersitz einmal über die Landstraße. Um die seltsamen Nebengeräusche aus Motor und Getriebe zu verdrängen, beschloss ich das Risiko eines Smaltalks mit dem sympathischen Herren an meiner Seite einzugehen.

Er war eigentlich ganz zugänglich, nachdem ich mit dem vertrauten „Du“ das Gespräch eröffnete. Um das Bild des Klischee–Zuhälters abzurunden, erzählte er mir von seinem 750er BMW mit 12 Zylinder Maschine und diversen Tuning-Maßnahmen. Den Teil, wie seine Pferdchen damals die Kohle für seinen PS-Traum ranschafften, hat er leider ausgeklammert.

Gut - also mit verträglicher Reisegeschwindigkeit über die Landstraße und versunken in philosophische Gespräche mit meiner stilsicheren Reisebegleitung. Dann brach plötzlich die stoische Ruhe meines Beifahrers (He, Junge, pass uff). Mit einer leichten Anhebung seiner Nuschel-Stimme wollte er mich auf eine mögliche Radarfalle aufmerksam machen. Blitz! Zu spät.

Ein Herr im eleganten grünen Anzug winke freundlich und bat mich, mir für ein paar belehrende Worte kurz Zeit zu nehmen. Aber Hallo, bei der Begegnung mit den Ordnungshütern lernte ich auf einmal neue Charakterzüge meines Begleiters kennen. Sah ich da etwa Anzeichen von aufsteigender Nervosität oder wurde ihm durch den gefütterten Jogginganzug so warm, dass sich Schweißperlen auf seinem glatt rasierten Schädel bildeten? Seine Pranken suchten im Handschuhfach den Lappen für den Nachweis der Besitzverhältnisse und diesen drückte er mir sogleich in die Hand, mit der Bitte ich soll mich um die Sache kümmern, er müsse mal kurz Austreten.

Völlig auf das Wohlwollen und die Freundlichkeit der Ruhrpott Polizei angewiesen, wendete ich mich dem grüngestreiften Kastenwagen zu und wurde nicht enttäuscht. Mein ehrliches Gesicht und die Klangfarbe meiner rustikalen bayrischen Stimme genügten völlig, um unangenehme, doch berechtigte Fragen zu vermeiden (Sie sind heute,von München nach Castrop Rauxel gefahren?) Wegen so einer erbärmlichen Karre? Nur Probefahrt mit roter Nummer, aber der Wagen ist auf den Besitzer der Schilder gar nicht zugelassen, Sie kennen ihre Begleitung nicht? Sind sie auch vorbestraft?). Gut, also keine Fragen nur warme Worte über die Verkehrssünder Kartei in Flensburg und dass ich es endlich, nach 17 Jahren Führerschein, geschafft habe, auch mal einen Punkt zu ergattern. Mit einem warmen Handschlag wurde ich dann wieder in die Freiheit entlassen.

Auf wundersame Art und Weise saß auch mein Beifahrer plötzlich wieder neben mir und erinnerte mich an die Bestimmung unsere Fahrgemeinschaft. Im Schritttempo fuhr ich dann den Wagen zurück, jegliche Verletzung von Verkehrsregeln ängstlich meidend. Wie groß war dann die Freude bei der restlichen Belegschaft vom Pussy-Cat Club 69 über unsere Ankunft. Ungläubig horchten sie meiner Schilderung über den professionellen Umgang mit den Ordnungshütern und meiner Strategie der Deeskalation. Es geht auch anders Jungs! Sie wollten gar nicht glauben, dass die Polizei nichts über die polnische Herkunft des Wagens wissen wollte und ihr Augenmerk einzig auf mich gerichtet war und nicht auf die Lücken im Kfz-Schein.

Mit Glückwünschen für die Heimfahrt und für mein weiteres Leben wurde ich dann am frühen Abend verabschiedet. Mir wurde noch ein Zimmer in der Hauseigenen Pension Stundentakt angeboten, was ich aber dankend ablehnte. Auf der Fahrt zurück in die bayrische Landeshauptstadt ließ ich den Tag noch mal Revue passieren. Ermüdet durch die Besonderheiten des Tages, beschloss ich dann im Kreise einer Fernfahrergemeinde an einem Rastplatz ein kleines Schläfchen zu halten. Leider hielt die Restwärme  der Sitzheizung nur kurze Zeit und ich wurde durch ein leichtes frösteln aus dem Schlafe gerissen. Diese Prozedur wiederholte sich in dieser Nacht noch viermal und brachte den Bordcomputer, der mit der Berechnung meiner Fahrtzeit / Ankunftszeit beschäftigt war, völlig aus dem Gleichgewicht.

Doch wie schon Goethe sagte: „Man reist nicht um anzukommen, sondern um unterwegs zu sein“ Als ich dann um vier Uhr Morgen die bayrische Landeshauptstadt begrüßen durfte, beschloss ich, mir noch am gleichen Tag eine MVV- Monatskarte zu kaufen.

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