Aus gegebenem Anlass möchte ich ein paar Worte zu der Wichtigkeit von Ton in Videofilmen verlieren. Gestern erst musste ich ein Hochzeitsvideo über mich ergehen lassen, wo man außer Rauschen, Geschepper und zu leise aufgenommener Festtagsrede eigentlich nur die Hintergrundmusik erkannt hat. Die Kameraführung und der Schnitt waren in Ordnung, der Rest eine Tortour für Ohren und Nerven...
Ein Blick auf die Einsteigermodelle der großen Kamerahersteller beweist es. Aus Design- oder Platzgründen werden die eingebauten Mikrofone in der Oberseite des Gehäuses versenkt. Zu Recht fragt man sich, wie so eine überzeugende Audioaufnahme gelingen soll - wohlmöglich sogar in 5.1-Surroundsound. Die eingebauten Mikrofone reichen in den seltensten Fällen aus, um dem hohen Standard der digitalen Aufzeichnungstechnik gerecht zu werden. Sie enttäuschen durch äußerst bescheidene Qualität und bannen zudem auch mehr oder weniger starke Zoom- und Laufwerksgeräusche mit aufs Band. Das ist offensichtlich der Preis, den man für immer kleiner werdende Camcorder bezahlen muss. SD-Camcorder sind übrigens nur vermeindlich leiser: Viele haben einen Lüfter eingebaut. Ganz ohne Motor scheinen selbst die fortschrittlichsten Geräte nicht auszukommen. Also sollte - zumindest bei anspruchsvollen Aufnahmen - ein externes Mikrofon her. Das kann sich aber als ziemlich schwierig erweisen. Die Auswahl ist riesig, die Preisspannen auch. Selbst bei große Marken ist man nicht vor Ausfällen gefeit. Letztendlich ist die Qualität eines Mikros wie bei Lautsprechern nicht selten auch eine Frage des persönlichen Geschmacks und der selbstgesetzten Ansprüche.
Sind die Filmaufnahmen erst einmal im Kasten, ist die Audiobearbeitung noch nicht abgeschlossen - auch wenn viele Videoschnittprogramme uns das glauben machen wollen. Während viele Einsteigeranwendungen fast immer vollständig auf eine nennenswerte Tonkorrektur verzichten, haben wir bei MAGIX Video deluxe den Anspruch, Bild und Ton gleichwertig zu behandeln. Was jedoch kann man am Ton nachträglich noch verbessern? Gerade bei Sprachaufnahmen erweist sich eine Korrektur besonders schwierig. Verändert man einzelne Frequenzbereiche, kommt es schnell zu Verfremdungen. Daher gilt auch hier, schon bei der Aufnahme für das bestmögliche Signal zu sorgen. Fehler, die man gar nicht erst begeht, muss man hinterher auch nicht wieder korrigieren. Wenn man einen Film aus unterschiedlichen Quellen zusammenschneidet, kommt es häufig zu erheblichen Lautstärkesprüngen. Mit der Normalisierungs-Funktion bringt man die einzelnen Clips auf ein einheitliches Niveau und kann dann sehr viel effizienter die Lautstärkeanpassung innerhalb des Videoprojekts vornehmen. Zudem verfügen dedizierte Tonbearbeitungsprogramme wie Samplitude über ausgezeichnete Rauschverminderungstechniken mit zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten. Eine anspruchsvolle Audioaufnahme kann also durchaus einige Anstrengungen kosten. Das Ergebnis lohnt sich jedoch allemal. Die Filme können sich dann nicht nur sehen, sondern auch hören lassen. Das Publikum wird sehr dankbar sein.
Dieser Eintrag wurde geschrieben von
Sven Kardelke, MAGIX am Donnerstag, 1. November 2007 um 08:51.
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Ein guter Punkt, das ist mir auch schon bei meinen Videos aufgefallen. Gibt es dazu eigentlich noch mehr Informationen? Ich bin von der Vielfalt der Mikrofone regelrecht erschlagen und traue, bzw. weiß gar nicht welches ich kaufen soll. Ich wollte eigentlich nicht mehr als 100 € dafür ausgeben.
Gruß,
Tom
Hallo Tom,
ich kann dir an dieser Stelle leider keine konkreten Empfehlungen geben, weil es immer auf den Einsatzbereich ankommt. Prinzipiell würde ich für Interviews, Kommentare etc. ein hochwertiges Ansteckmikro empfehlen. Achtung: Auf klappernden Schmuck wie Halsketten o.ä. achten.
Bei Ereignissen, die weiter von der Kamera entfernt sind, oder bei Gesprächen mit mehreren Personen gleichzeitig am besten ein Richtmikrofon an einer Angel. Nachteil: Man braucht eine zweite Person, die das Mikro hält. Auf jeden Fall wichtig: Den Ton immer mit einem Kopfhörer während der Aufnahme kontrollhören. Das vermeidet böse Überraschungen beim Videoschnitt.