Software as a service: Das Ende von Microsoft Windows und Co.? Teil 2
Gestern hatte ich mich ja schon zur Zukunft von Betriebssystemen à la Microsoft & Co. ausgelassen. Für die stationären Systeme wird es danach in Zukunft starken Gegenwind durch die so genannten „Software as a Service“(Saas)-Lösungen geben.
Aber wie sieht es mit einem Standard für „SaaS“ oder das Web 3.0 aus? Werden Google, Adobe, Microsoft oder sonst ein Unternehmen im Internet eine Art Betriebssystem etablieren können, das die Nutzer für Jahrzehnte auf einen Anbieter oder eine Programmiersprache festlegt, so wie es Microsoft mit MS Windows praktisch gelungen ist?
Meiner Meinung nach wird ein solcher Standard über einen längeren Zeitraum nicht mehr haltbar sein. Dafür ist das Internet viel zu sehr in Bewegung.
Alle derzeit wichtigen Anwendungen, die früher nur von einem Konzern wie Microsoft entwickelt werden konnten, sind bereits zur „Commodity“, also zu einem softwaretechnischen Massenartikel geworden, so dass die Programmierung von entsprechend vielen Anbietern beherrscht wird. Die dazugehörigen Dateiformate, die sich dank Microsoft zu einem Standard entwickelt haben, werden ebenfalls von Open Source Projekten wie bspw. OpenOffice.org genutzt.
Wenn aber alle die gleichen Dateiformate nutzen können, ist es für den Nutzer letztlich egal, mit welcher Anwendung er die Dateien erzeugt.
Daneben wird der technologische Fortschritt auch vor den Programmiersprachen nicht halt machen. Ist Flash derzeit der am weitesten verbreitete Standard für das dynamische Internet, kann schon im nächsten Jahr eine andere Technologie vollkommen neue Maßstäbe setzen.
Und schließlich ist zu berücksichtigen, dass die Nutzung des Internet unabhängig vom jeweiligen Endgerät ist. Anders als bei der stationären Nutzung von Software spielt es bei Anwendungen im Web keine Rolle, ob man auf einem Laptop, PC, Mobiltelefon oder sonstigen Gerät arbeitet. Somit ist auch das Bundling mit bestimmter Hardware – eine Praxis die die Verbreitung von MS Windows extrem gefördert hat – nicht mehr zielführend.
Damit wird es für den Nutzer in Zukunft in Bezug auf SaaS wesentlich leichter den Anbieter zu wechseln. Und was das bedeutet, haben schon Projekte wie Napster oder Unternehmen wie Yahoo oder Altavista schmerzlich erfahren müssen. Da ist der Strom der Massen unerbittlich, frei nach dem Motto: „Die Karawane zieht weiter...“.
Meiner Meinung nach werden sich Standards, die die Kunden exklusiv an einen Anbieter binden, in Zukunft nur noch für einen kurzen Zeitraum oder für ganz spezielle Anwendungen etablieren. Dies bedeutet aber auch, dass die Unternehmen derartige Standards nicht mehr im gleichen Maße kommerzialisieren können, wie das Microsoft mit Windows möglich war. Stattdessen werden das Maß an Kundenfreundlichkeit und der Spaßfaktor bei der Nutzung der Dienste darüber entscheiden, ob ein Anwender den Anbieter wechselt oder nicht.
Es wird also darauf ankommen, dass die Unternehmen flexibel reagieren und sich noch wesentlich stärker als heute auf die Bedürfnisse der Kunden einstellen. Hier sehe ich die oft etwas schwerfälligeren Mega-Konzerne wie Microsoft, Google oder Adobe nicht unbedingt im Vorteil.
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