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Teure Schlüsselfigur


Teure Rückführung leicht gemacht

"Ja, hallo!? Guten Abend, ich habe es geschafft, mich aus meiner Wohnung auszusperren und bräuchte daher Ihre Hilfe!" Sonntagabend irgendwo in Berlin. Einsatz für den Schlüsselnotdienst.

Eigentlich wollte Herr H. ja nur kurz von seiner Wohnung zu einer vorgelagerten Haustür stapfen, um dort Besuch zu empfangen. Normalerweise ist das überhaupt kein Problem und normalerweise benimmt sich seine Wohnungstür auch ganz ordentlich dabei. Normalerweise ...


An diesem Sonntag dachte sich die Wohnungstür des Herrn H. ganz sportlich: "Mal sehen, ob ich es schaffe, mitsamt dem innen steckenden Schlüssel so richtig zuzufallen. Am besten dann, wenn er [also Herr H.] grad nicht guckt!" Da die Tür das bis dahin noch nie probiert hatte, war sie hochmotiviert bei der Sache - und verfehlte ihr engagiertes Ziel nur um Haaresbreite. Sie fiel zwar erfolgreich ins Schloss, jedoch erst in dem Moment, als Herr H. schon wieder einen Schritt entfernt auf sie zuhielt.

Da der äußerst verdutzt in seinen Hosentaschen herumwühlende Herr H. bis dahin von der äußerst lebhaften Gemeinde der "Lockpicker" noch nichts gehört hatte und ein paar klägliche Versuche, die Altbau-Schleuse mittels und zum Leidwesen seiner Krankenversicherungskarte zu öffnen (im Kino klappt das ja auch immer) fehlgeschlagen waren, sah er sich wohl oder übel gezwungen, über das Mobiltelefon des Besuchs (der nicht wusste, ob er lachen oder verzweifelt tun sollte) einen Schlüsselnotdienst zu alarmieren.

"Ja, okay, Ausweis hab ich. In 20 Minuten sagen Sie? Okay." Herr H. versuchte, so souverän wie möglich mit der Lage umzugehen. "Und wieviel sagten Sie wird mich die Öffnung der Tür kosten? Aaah ja, okay. Klar, kein Problem!" Herr H. wäre am liebsten aus den Latschen gekippt, hätten diese sich nicht auf der anderen Seite der Wohnungstür über die Hilflosigkeit ihres Besitzers kaputtgelacht.

90 Euro sollte die Rückgewinnung des eigenen Wohnraums kosten. Ein stolzer Betrag, der unter der Woche noch ein bisschen niedriger ausgefallen wäre. Aber wozu gibt es schließlich Sonntage?

Als der Fachmann mit der Lizenz zum Einbrechen schließlich eintraf, hatte sich Herr H. schon ein paar spitzfindige Fragen für einen gekonnten Smalltalk zurechtgelegt: "Kommt 'sowas' nicht vorzugsweise an Sonntagabenden vor?" "Nö, das ist ganz unterschiedlich", lautete die knappe Antwort des Dietrich-Donalds. "Aber passiert das nicht eher Frauen?", versuchte Herr H. sich mit dem älteren Herren auf eine Ebene zu bringen. "Nö, aber in der Regel sind's jüngere Leute unter 30", lautete die Retoure, während Schlossknacker-Kalle aus seinem Köfferchen das richtige Werkzeug herausfingerte. "Naja, und dann ab 60 passiert das dann auch wieder häufiger", fügte er noch brummelnd hinzu.

Als Herr H. nach 2 Minuten Frage-Antwort-Spiel schon dachte, er habe nun eine ausreichende menschliche Basis geschaffen, um auch die nächsten 30 Minuten in Friedseligkeit mit Schlosser-Schorsch zu verbringen, wies dieser ihn mit den Worten "Jetzt treten Sie mal bitte zurück!" barsch zurück. "Oh Gott, wollte der etwa Sprengstoff einsetzen?", fuhr es dem Ausgeschlossenen durch den Kopf. Nein, er sollte bloß nicht sehen, wie einfach seine Wohnungstür mit dem richtigen Metallhaken zu knacken ist. Man will seine Kundschaft schließlich nicht beunruhigen.

"Klack" machte es und die Tür stand wieder offen, ohne auch nur den geringsten Schaden genommen zu haben. Zur Verabschiedung gabs noch ein paar Tipps vom Fachmann, um die Wohnungstür einbruchssicherer zu machen (psychologisch ein sicherlich klug gewählter Zeitpunkt). Aber beim Wortlaut "Da kommen Sie einfach mal zu uns in den Laden ..." hörte Herr H. -überglücklich über das Ende der Misere und um 90 Euro ärmer- schon nicht mehr zu.
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Kommentare

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  1. Eveline schreibt:

    Der arme Herr H. hat doch hoffentlich anschließend ein oder zwei ernste Worte mit seiner sportlichen Tür geredet, bevor er sich seinem Besuch in den eigenen vier Wänden widmete? ;-)

  2. Panzerknacker schreibt:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Lockpicking...


    und speziel für Computerfreaks: http://www.sorgonet.com/security/hdlockpicking/...

    und dann üben, üben, üben...
    Muss man nur dran denken, sein "Werkzeug" nicht in der eigenen Wohnung zu lagern :-)

  3. piet schreibt:

    sehr guter zusatz mit dem lagertipp! :-)
    aus reiner neugier: bist du in der szene unterwegs?

  4. Panzerknacker schreibt:

    nee, ich hab nur gegoogelt...
    BTW: So ein Haken zum Falle öffnen ist auch deutlich billiger.
    http://www.multipick-service.cc/htdocs/de/werkzeug...

    allerdings weiss ich nicht, ob man irgend ne BEscheinigung braucht, um da zu bestellen.

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